Wofür stehen die ganzen Standards und Siegel eigentlich genau und welche gibt es überhaupt? Hier findest du eine kurze Übersicht der Labels und deren Kriterien.

GOTS

Die Global Standard gemeinnützige GmbH wurde von einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen gegründet, die sich dafür einsetzen, die Textilproduktion umweltverträglicher und in sozialer Hinsicht verantwortungsbewusster zu gestalten. Dabei deckt der Standard die gesamte Produktionskette ab, also nicht nur die Herstellung und Konfektion, sondern auch Verpackung, Handel und Vertrieb von Textilien bzw. Naturfasern, die mind. aus 70 % kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen. Textilien, die diese Anforderungen erfüllen, tragen das Siegel  "hergestellt aus xy % kbA/kbT Fasern"; für eine strengere Kennzeichnung im Siegel ist ein Bio-Anteil von 95 % nötig.
Seit dem 1. März 2020 gilt die Version 6.0 des GOT-Standards. In dieser müssen auch die Hersteller von zugelassenen Chemikalien die Anforderungen in Sachen Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz erfüllen. 

IVN Best

Der Standard „NATURTEXTIL zertifiziert BEST“ steht für die höchsten Ansprüche an textile Ökologie. Siegelinhaber ist der 1999 gegründete Verband IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.); dabei handelt es sich um ein Zusammenschluss von über 100 Unternehmen aus der Textilbranche. Mit dem Siegel "IVN Best" wird der gesamte Herstellungsprozess abgedeckt. Von der Rohstofferzeugung, übers Spinnen, Nähen und Färben bis zum Verkauf im Geschäft wird alles nach strengsten Richtlinien kontrolliert. Dabei achtet das Label auf die Einhaltung hoher Umweltstandards und die Sozialstandards der ILO (Internationale Organisation für Arbeit), d. h. keine Diskriminierung, sichere Arbeitsplätze, existenzsichernde Löhne, keine Kinderarbeit. Die Überprüfungen der Betriebe erfolgen jährlich und unangekündigt. Für Verbraucher bedeutet IVN Best Transparenz, lange Haltbarkeit und ausschließlicher Einsatz von Naturmaterialien, denn synthetische Fasern dürfen nicht vorkommen. Dass all die hohen Anforderungen die Produktpalette einschränken, nimmt der IVN bewusst in Kauf.

IVN vergibt auch das bekanntere Siegel GOTS (das verglichen mit "Naturtextil Best" einen Hauch weniger streng ist). Für Lederwaren wird der Standard "Naturleder IVN zertifiziert" vergeben, der einzige Standard für Naturleder.

Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation ist eine unabhängige Stiftung, die mit diversen Unternehmen der Textilindustrie zusammenarbeitet. Dazu gehören über 80 Mitgliedsunternehmen, welche inzwischen über 130 Bekleidungsmarken vertreten. Ziel der Foundation ist, die sozialen Bedingungen in allen Betrieben entlang der Textilkette in den Produktionsländern zu verbessern. Dazu dienen die acht Arbeitsnormen des FWF-Kodex:
freie Arbeitsplatzwahl, keine Diskriminierung, keine Kinderarbeit, existenzsichernder Lohn, begrenzte Arbeitszeit, sicherere Arbeitsbedingungen, rechtsverbindliche Arbeitsverträge und Versammlungsfreiheit.
Jedes Jahr veröffentlicht die Foundation ihre Prüfberichte auf www.fairwear.org.

EU Ecolabel
Die sogenannte EU-Blume zertifiziert alle Alltagsprodukte. Gegründet wurde das Label vor über 25 Jahren von der Europäischen Kommission und es wird von Prüfinstituten vergeben, die im Auftrag der Umweltministerien teilnehmender EU-Länder handeln. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz; sozialverträgliche Aspekte in der Produktion sind eher unberücksichtigt. Je nach Produktkategorie unterscheiden sich die Ansprüche des Siegels, sind generell aber höher als bei einigen anderen Labels. Die Anforderungen erstrecken sich beispielsweise auf einen geringen Einsatz von Chemikalien, niedrigen Wasser- und Energieverbrauch und darauf, durch Recycling Abfall zu reduzieren. Ob die dazugehörenden Hersteller-Unternehmen die Anforderungen erfüllen, wird alljährlich stichprobenartig kontrolliert.

Cotton made in Africa

Der Standard für nachhaltige Baumwolle aus Afrika unterstützt Kleinbauern und Arbeiter in den Entkörnungsbetrieben dabei, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Zudem setzt sich Cotton made in Africa für den Schutz der Umwelt ein. Die Herstellung der Ware erfolgt ohne Einsatz von Pestiziden oder genveränderter Baumwolle; Kinderarbeit ist ausgeschlossen. Die Arbeiter werden gerecht entlohnt und durch Schulungen und Trainings können Kleinbauern lernen, wie sie Erträge und Einkommen erhöhen können.

Fairtrade Cotton

Das Sozialsiegel Fairtrade Cotton gibt es seit 2005. Es verbietet Kinder- und Zwangsarbeit und garantiert Kleinbauern in den Entwicklungsländern sozialverträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Mindestpreise für deren Baumwolle. Sollten die Baumwoll-Preise auf dem Weltmarkt unter dieser Mindestgrenze liegen, erhalten die Bauern dennoch ihre vereinbarten Preise; steigt der Weltmarkt-Preis hingegen, bekommen die Bauern auch diesen höheren Preis.
Zusätzlich zu dem Fairtrade-Mindestpreis müssen Käufer eine Prämie von 5 Cent pro Kilo Baumwolle zahlen. Die Prämie muss dann von den Produzenten für Gemeinschaftsprojekte verwendet werden, wie beispielsweise in Bildungs-, Gesundheits- oder Infrastrukturprojekte.
Fairtrade Cotton gibt auch starke Umweltstandards vor, allein schon zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit der Bauern, aber auch zum Naturschutz. Gentechnisch verändertes Saatgut und gefährliche Chemikalien sind daher verboten. Zudem verpflichten sich die Bauern zu einem möglichst ökonomischen Wassereinsatz beim Baumwoll-Anbau. Von allen, die am weiteren Verlauf der Lieferkette beteiligt sind, wird ein Nachweis darüber verlangt, dass die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten werden.

Oganic Content Standard (OCS)

Neben dem "Organic Content Standard blended" (OCS blended) gibt es noch den "Organic Content Standard 100" (OCS 100). Beide Siegel dienen dazu, dass Unternehmen den exakten Anteil des ökologischen Materials der Ware erfassen und in der Produktionskette weiter verfolgen können. Somit steht der Content Standard für eine transparente Produktion und Rückverfolgbarkeit der Textilien. Jedoch enthält dieses Siegel keine Richtlinien über die verwendeten chemischen Zusatzstoffe und auch keine bezüglich sozialer Standards und Umweltmanagement, wie es beispielsweise beim GOTS der Fall ist. Die Schwerpunkte des OCS liegen eben allein in der Rückverfolgbarkeit der Bio-Materialien und in der kontinuierlichen, transparenten und unabhängigen Bewertung des Bio-Faser-Anteils.
Je nachdem, wie der prozentuale Anteil des Bio-Materials ausfällt, wird entweder das Label "OCS blended" (bei mind.  5 % Bio-Material) oder "OCS 100" (95 % bis 100 % Bio-Material) vergeben.

Oeko-Tex made in green

Oeko-Tex made in green geht weiter als der Standard 100 und deckt bezüglich Umwelt, Arbeitssicherheit und Qualitätsmanagement alles ab. Ergänzend zu dem Nachweis, dass Kleidung oder Heimtextilien auf Schadstoffe geprüft wurden, gewährleistet "made in green" also eine nachhaltige Produktion und soziale Arbeitsbedingunen, durch das Zertifikat STeP by OEKO-TEX.  Dabei wurden die Standards ziemlich angezogen, sodass Greenpeace "made in green" mit zu den strengsten Siegeln zählt. Anhand einer Produkt-ID oder eines QR-Codes lässt sich das gekaufte Produkt zurückverfolgen. Man erfährt, in welchen Betrieben es hergestellt wurde, welcher Produktionsstufe diese angehören und aus welchem Land es stammt.

Mit Luft nach oben - Oeko-Tex Standard 100 und Grüner Knopf

Der Oko-Tex Standard 100 dient einzig dem Verbraucherschutz. Dieses Siegel stellt sicher, dass im Endprodukt keine Rückstände von Schadstoffen zu finden sind. Dabei unterscheidet der Standard vier Produktklassen, von Artikeln für Babys und Kinder, über hautnahe und hautferne Produkte bis zum Ausstattungsmaterial. Ein Produkt, das dass Siegel tragen darf muss den Oeko-Tex-Kriterien in sämtlichen Bestandteilen entsprechen, auch bei Knöpfen oder Reißverschlüssen. Für den Herstellungsprozess und den Umweltschutz gibt der Oeko-Tex Standard 100 aber keine Auflagen vor, weswegen die Bezeichnung "Öko" ein wenig irreführend sein mag.

Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel, wurde vom Bundes­ministerium für wirt­schaftliche Zusammen­arbeit und Entwick­lung (BMZ) heraus­gegeben und soll in erster Linie Orientierung für Verbraucher sein. Erfasst sind zunächst die Produktionsschritte Färben, Bleichen, Zuschneiden und Nähen, später sollen noch weitere Schritte mit einbezogen werden. D. h. zurzeit deckt der Grüne Knopf nicht die gesamte Kette von der Baumwollpflanze bis zum Hängen am Bügel ab. Die Arbeiter bekommen Mindestlöhne, die aber nicht existenzsichernd sind. Existenzsichernde Löhne sollen erst in ein paar Jahren Pflicht werden.
Weitere Kriterien des Grünen Knopfes sind u. a.: Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Arbeitsschutz- und Sicherheit, geringere Umweltbelastung, schadstoffgeprüfte Chemiefasern und das Verbot gefährlicher Chemikalien.